Episode Transcript
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(00:11):
-Manche Nummern kenntman auswendig,
nicht weil man sie oft wählt,sondern weil man hofft,
es nie tun zu müssen.
Und doch stehen sie fürSicherheit, für
Hilfe und für Menschen,die füreinander da sind,
wenn nichts mehrnach Plan läuft.
In dieser Podcast-Folge gehtes um eine Institution,
die seit Generationen einfixer Anker für die
(00:32):
ganze Stadt ist.
Christine Oberdorfer blicktmit ihrem Gast hinter die
Kulissen des Rettungswesens,spricht mit ihm über Geschichte
und Gegenwart, über Belastung,Berufung und darüber,
was es wirklich braucht,um in Extremsituationen
handlungsfähig zu bleiben.
Schön, dass Sie dabei sind.
(00:57):
-144 Jahre, dasist doch kein Jubiläum.
Anders sieht das dieBerufsrettung Wien
mit der Notrufnummer 144.
Wie es im Jahr 1881 zurGründung kam, was die einzige
Berufsrettung Österreichso besonders macht und was
Bewerber*innen für diesenJob mitbringen sollten,
darüber spreche ichheute mit Rainer Gottwald,
(01:18):
dem Chefder Wiener Berufsrettung.
Danke für den Besuch im Studio.
-Danke für die Einladung.
-Werfen wir zuersteinen Blick zurück.
Was sind denn diehistorischen Wurzeln der
Wiener Berufsrettung?
Wie kam es denn dazu undwie kam es zur Gründung?
-Sie haben schon gesagt 1881,das sind die Wurzeln.
Davor war es so,dass sich um das organisierte
(01:39):
Rettungswesen niemandgekümmert hat.
Es war auch damals keinAnliegen der Stadtpolitik,
dass das Rettungswesenin irgendeiner Form
organisiert wird. Die Leutewaren eher auf sich gestellt,
wenn jemand insKrankenhaus musste,
Familienangehörigen helfenoder wenn jemand auf der
Straße lag, beherzte Menschenbrachten die Menschen zu einem
Arzt oder einem Krankenhaus.
(02:02):
Es gab drei Adelige,die immer wieder ein Konzept
hatten, entsprechendorganisiertes Rettungswesen
durchzuführen.
Es gab aber keingroßartiges Interesse.
Es gab ganz andere Probleme.
Und dann kam eben derRingtheaterbrand
am 8. Dezember 1881 mitmehreren Hunderten
Verletzten und sehr,sehr viele Toten
(02:24):
waren dort zu beklagen.
Und dieses tragische Ereigniswar aber dann doch der
Startschuss füreine Erfolgsgeschichte.
Am Tag danach habensich diese drei
Adeligen zusammengetan,sind noch einmal bei der
Stadtpolitik angetreten undhaben gesagt, man sieht
eben genau, was passiert,wenn kein organisiertes
(02:45):
Rettungswesen da ist,wenn es niemanden
gibt, der hilft. Und plötzlichhat man das ganz anders gesehen.
Und das war auchder Startschuss der Wiener
FreiwilligenRettungsgesellschaft. Das ist
unsere Vorläuferorganisation.
Mit ganz einfachen Mitteln,mit vor allem ehrenamtlichen
Mitarbeiterinnenund Mitarbeitern,
(03:06):
die vor allem damalshauptsächlich Medizinstudenten
waren, begann es,einfache Tragen, Pferdekutschen.
Die Verständigung erfolgteüber Telegrafen, über Boten.
Und so begann es.
Es war damals keinemedizinische Betreuung vor
Ort auf der Straße oderin den Wohnungen,
sondern es ging eher darum,jemanden rasch und organisiert
(03:28):
in ein Krankenhaus oderzu einem Arzt zu bringen.
Und das sind eben die Wurzeln.
Und diese Wurzelnliegen eben 144 Jahre zurück.
Jetzt fragt man sich, wiesofeiern wir gerade 144 Jahre?
Es ist so, dass wireigentlich die 140 Jahre
feiern wollten, aber das warmitten in der Pandemie.
In der Pandemie waren erstenseinmal Feiern verboten.
(03:51):
Es wäre auch unverantwortlichgewesen, etwas zu feiern.
Und vor allem,es wollte zu diesem Zeitpunkt
niemand feiern.
Das Gesundheitssystem warüberlastet, die Einsatzkräfte
waren überlastet.
Und so gab es kreative Köpfein meinem Team,
die gesagt haben, ja,warum feiern wir dann nicht,
wenn alles vorbei ist?
144 Jahre. Und das gab nochdazu damals Mut für die Zukunft.
(04:14):
Und ich bin froh,dass wir es so gemacht haben,
weil 140 Jahrefeiert bald jemand.
Aber 144 Jahre, die144 ist unsere Telefonnummer,
unsere Notrufnummer,fände ich mittlerweile
weitaus kreativer.
-Haben Sieein paar Zahlen für uns?
Wie viele Anrufe gibt es dennjeden Tag bei der Rettung?
Wie viele Einsätze habt ihr,dass wir uns ein
(04:35):
bisschen vorstellen können,in welchen Dimensionen?
-Wir haben ca.
1.000 Telefonanrufe am Tag.
Meist sind 10 Prozent Notrufeund 188.000 Einsätze ergeben
sich daraus pro Jahr.
Und das ist schon eineentsprechend bedeutende Zahl.
Wir fahren auch, wenn manes dann sagt, wie eine Zahl,
(04:58):
die mir immer wieder gefällt,drei Millionen Kilometer
fahren wir im Jahr mittlerweile.
Und wenn man hier bedenkt,es waren eben früher
Pferdekutschen und Leute,die mit Tragen unterwegs
waren, ist das schon sehr,sehr bedeutend:
drei Millionen Kilometer.
-Nur innerhalb der WienerStadtgrenze natürlich, gell?
-Wir sind ausschließlich fürWien zuständig.
(05:18):
Wir helfen natürlich in derNachbarschaftshilfe oft
in Niederösterreich aus.
Das beruht aber aufGegenseitigkeit,
wenn ein entsprechenderEinsatz an der Stadtgrenze
ist und wir ein näheresFahrzeug haben, helfen wir.
Aber grundsätzlichsind wir ausschließlich
im Wiener Stadtgebiet zuständig.
-In Wien gibt es ja nichtnur die Berufsrettung,
es gibt ja auchandere Rettungsorganisationen.
Wie kann man sich denn da dieZusammenarbeit vorstellen?
(05:40):
Und die Aufteilung vor allem?
-Die Zusammenarbeitist extrem gut.
Wir sind für die Organisationdes Rettungswesens als
Stadt Wien zuständig.
Und es gibt eben anerkannteandere Rettungsorganisationen
undKrankentransportorganisationen.
Das kann man sich so vorstellen,wir als Berufsrettung
betreiben ausschließlichRettungsdienst. Und wir
haben auch die Leitstelle,wo jeder Notruf
(06:02):
144 reinkommt. Die anderenRettungsorganisationen
werden im Rettungsdienst,von uns mit betreut.
Das heißt, wenn jemand144 wählt und wir wissen,
ein Fahrzeug in einer anderenOrganisation ist
ein geeignetes Fahrzeug.
Es gibt ja auch unterschiedlicheFahrzeugklassen
und ist dort in der Nähe,wird dieses Fahrzeug
(06:23):
entsprechend von unsererLeitstelle disponiert.
Die anderen Organisationen,das ist eben Rotes Kreuz,
Samariterbund, Johanniter,Malteser und der
Sozialmedizinische Dienst,betreiben
auch Krankentransporte.
Das ist etwas,was wir nicht machen.
Die Berufsrettung betreibtausschließlich Notfallrettung.
-Wie kann man sich das danntrotzdem in der
(06:43):
Praxis vorstellen? Das heißt,die Zentrale betreut
ihr, wo ist die?
-Die Zentrale istin der Radetzkystraße.
Das ist in derNähe der Urania. Ein Gebäude,
das damals schon von Kaisergestiftet worden ist und
seit damals einRettungsgebäude auch ist.
-Wie kann man sichdas vorstellen,
wie viele Menschen sitzenda in der Zentrale und
(07:03):
verteilen dann die Anrufeoder die Notfälle weiter?
-Sie sitzen pro Dienst ca.
16 Personen in der Leitzentrale.
Und hier gibt es eben Personen,die die Notrufe entgegennehmen.
Und dann werden diese Notrufeentsprechend an geeignete
Fahrzeuge weitergegeben.
Alle Fahrzeuge sind mitGPS ausgestattet,
eben auch die Fahrzeuge derprivaten Organisationen.
(07:25):
Das heißt, wir wissen,wo welches Rettungsfahrzeug
in Wien ist. Und wir könnendaher immer das geeignetste
Fahrzeug zum Notfallort senden.
-Leute, die bei euch anrufen,sind ja meistens in einer
Ausnahmesituation.
Wie verhält man sichda richtig und was sind
denn da die größten Fehler,die passieren seitens der
Anruferinnen und Anrufer?
(07:47):
-Ich glaube, der größte Fehler,der passieren kann, ist,
dass man nicht anruft.
Es sind bei uns in derLeitzentrale ausschließlich
Profis, die jahrelangErfahrung im Rettungsdienst
haben, die auch wissen,wie man mit Menschen umgeht
und wie man etwas steuert.
Wenn Personen anrufen,ich muss sagen,
es klingt manchmal nichtsonderlich höflich oder
(08:08):
besonders nett, weil dieerste Frage ist einfach,
wo genau ist der Notfallort?
Berufsrettung Wien,wo genau ist der Notfallort?
Das ist jetzt nichtvielleicht die Begrüßung,
die man sich vorstellt,wenn man woanders beim
Magistrat anruft.
Also da ist nicht besonderseinen schönen guten
Tag oder sonst irgendwas.
-Da geht's auch nicht darum,wie geht es Ihnen?
-Genau, richtig.
Es geht einfach nur um diewichtige Information,
dass der Anrufer weiß,wo ist er gelandet.
(08:30):
Er ist bei derRettung gelandet. Das heißt,
er kann das entsprechendabklären, ob er nicht
vielleicht doch die Polizeioder die Feuerwehr oder
den ÖAMTC wollte. Er weiß,er ist bei der Rettung.
Und die erste Frage,wo genau ist der Notfallort?
Es geht einfach darum,so rasch als möglich
festzustellen,wo ist der Notfallort?
Das hat den Sinn,wenn das Gespräch abreißt.
Die Person, das Letzte,was sie konnte,
(08:54):
war noch den Notruf zu wählen.
Dann haben wir zumindesteine entsprechende Adresse
und können Hilfe hinschicken.
Wenn das nicht passiert undin den meisten Fällen geht der
Notruf natürlich weiter,haben wir eine klare Abfrage.
Das heißt, der Anruferbraucht sich keine Gedanken
machen, so wie man es früherin einem Erste-Hilfe-Kurs
(09:14):
in den 80er Jahren gelernt hat.
Man muss sagen,wie viele Verletzte
und so weiter.
Das braucht man sich allesnicht mehr merken.
Ein standardisiertesProtokoll, ein international
anerkanntes Abfrageschema,wo man einfach nur
die Fragen, die der Disponentstellt, stellt.
Man muss beantworten.
Man kommt relativ klarund rasch zu einem Ergebnis.
(09:35):
Ist es ein lebensbedrohlicherNotfall oder braucht
es vielleicht etwas anderes?
Manchmal kommt heraus,dass es gar kein
lebensbedrohlicher Notfallist, sondern dass
die Patientin oder der Patientoder der Anrufer vielleicht
nur einen Arzt braucht.
Dann leiten wir weiteran den Ärztefunkdienst oder
an 1450. Diese Möglichkeitenhaben wir auch hier.
(09:55):
Hier sind wir sehr gut vernetzt.
Wenn es aber einlebensbedrohlicher Notfall
ist, wird schonwährend des Gesprächs ein
Fahrzeug entsendet. Das wirdauch dem Anrufer gesagt,
damit der Anrufer oder dieAnruferin entsprechend
beruhigt ist undnicht glaubt, die fragen hier
hunderttausendSachen und hier stirbt jemand.
-Es wäre eilig, schickt's wen.
-Da ist immer schonjemand unterwegs.
Das ist ein Knopfdruck.
(10:17):
Die Rettung fährt aus.
Das Gespräch wirdweitergeführt und
entsprechend auchAnweisungen gegeben.
Es werdenErste-Hilfe-Anweisungen
gegeben. Im Normalfall istes so bei einer
lebensbedrohlichen Situation,dass das Rettungsfahrzeug
dort eintrifft unddas Telefongespräch
immer noch aufrecht ist.
(10:39):
Das heißt, wir begleitendie Leute am Telefon weiter.
Wir lassen sie nichtin den Stich und warten,
bis die Kolleginnenund Kollegen vor Ort sind.
-Das heißt, man schaltet dannvielleicht auf Lautsprecher
und kriegt dann auchAnweisungen zu Ersten-Hilfe.
-Und solche Dinge.
-Genau. Ihr entscheidetaufgrund der Informationen,
die ihr am Telefonbekommen habt,
welches Auto ausgeschicktwird oder welcher Wagen,
welche medizinischeQualifikation die
(11:01):
Leute brauchen.
-Es geht erst einmal darum,welches Fahrzeug ist
am nächsten und auch, welchesist ein geeignetes Fahrzeug.
Wenn es wirklich eineReanimation zum Beispiel ist,
dann geht alles los.
Da entsenden wir auch diePolizei und die Feuerwehr als
sogenannte First Responder.
Die haben eineentsprechende qualifizierte
Erste-Hilfe-Ausbildung.
Die meisten Fahrzeuge sindauch mittlerweile mit
(11:22):
Defibrillatoren ausgestattet.
Und wenn hier einFahrzeug der Polizei in der
Nähe ist oder derFeuerwehr in der Nähe ist,
fahren die auchentsprechend sofort dorthin.
-Sie haben es vorhinschon erwähnt.
Früher sind dieRetter mit Tragen
und Pferdegespannenausgerückt. Wie sieht denn
der Fuhrpark heute aus?
Was gibt es denn da heutefür eine Ausrüstung?
Und welche medizinischeAusrüstung ist
(11:43):
denn auch an Bord?
Für welche Notfälle?
-Ja, wir habenhochmoderne Autos.
Wir haben einenhochmodernen Fuhrpark.
Und wir werdenin ganz Österreich auch,
glaube ich, für unseren Fuhrparkentsprechend beneidet.
Wir haben auch sehr vieleSpezialfahrzeuge.
Die sogenannte SEG-Einheit.
Das ist die Sondereinsatzgruppe.
(12:04):
Früher bekannt war das dersogenannte Katastrophenzug.
Das haben wir abgeändert,die Bezeichnung. Warum?
Eine Katastrophe nachder Definition wäre etwas,
was man regionalnicht mehr standhalten könnte.
Und man bräuchte zusätzlicheUnterstützung aus dem Umland.
In Wien gibt es zum Glückbisher keine Katastrophen.
(12:25):
Also mir ist in den letzten15 Jahren, nichts bekannt,
dass eine Katastrophepassiert ist. Es gab aber
immer wieder, wenn derKatastrophenzug ausgefahren
ist, sofort mediale Anfragen.
Was ist passiert,der Katastrophenzug
ist unterwegs? Nein,es waren keine Katastrophen.
Der Katastrophenzug,die jetzige SEG-Einheit,
fährt zum Beispiel aus beieinem Hausbrand.
Und es kommt halt auch immeröfters vor, dass die eben die
(12:47):
normalen Rettungseinheitendort als
Spezialgruppe unterstützen.
-Das heißt, es sind danngrößere Autos mit
mehr Ausrüstung.
-Genau. Das sind Fahrzeuge,die aussehen wie Autobusse.
Wir haben auch einenEvakuierungsbus neuerdings.
Das ist ein ehemaligesFahrzeug der Wiener Linien.
Und dient hauptsächlich dazu,bei Bränden oder wenn ein
(13:10):
Haus evakuiert wird,dass die Leute nicht auf der
Straße stehen. Das ist ganz,ganz wichtig, gerade jetzt
in der Zeit im Winter.
Man stellt sich vor,um 2 Uhr in der Früh entsteht
ein Brand in dem Haus.
Gerade jetzt hieraktuell mit Adventkränzen.
Und in den nächsten Tagenwerden die Christbäume
wieder drankommen.
Da wird es immer wiederZimmerbrände geben.
Das Haus wird von derFeuerwehr evakuiert.
(13:31):
Und man steht im Schlafmantelum 2 Uhr in der Früh
auf der Straße.
Da haben wir ebendiesen Evakuierungsbus.
Und in dem Evakuierungsbusfinden die Leute
entsprechend Wärme.
Wenn wir geradegesprochen haben,
welche Ausstattungist da drinnen.
Medizinische Ausstattung istim Evakuierungsbus
sehr, sehr wenig.
Aber sie ist mit Sauerstoffzum Beispiel ausgestattet.
(13:52):
Das heißt, bei einerRauchgasvergiftung kann
man entsprechend die Leute sehr,sehr gut versorgen.
Und dann gibt es ebenauch SAG-Einheiten,
die medizinisch weitausbesser ausgestattet sind,
wo man die Leute auchentsprechend behandeln kann.
Was ist jetzt in einem normalenRettungswagen drinnen?
Ich kann jetzt nicht allesaufzählen, was da drinnen ist.
(14:14):
Aber es gibt zum Beispiel einPatientenüberwachungsgerät.
Das ist ein Monitor.
Es gibt einen Defibrillator,der auch mit diesem
Monitor zusammenarbeitet.
Diese Defibrillatorkennen wir alle.
Dieser halbautomatischeDefibrillator,
der Line-Defibrillator.
Da drinnen ist einDefibrillator für Profis.
Was haben wir da noch?
(14:36):
Einfache Dingewie Blutdruckmessgerät.
Sauerstoff haben wir sowiesoin jedem Fahrzeug drinnen.
Schienungsmaterial,Beinschiene, Armschiene,
Halsschiene, Ganzkörperschiene.
Also wir können alles schienen.
DannVollelektrolytinfusionslösungen
haben wir.
Dann, was wollte man noch?
(14:58):
Absaugkatheter istglaube ich auch sehr wichtig.
Dann in jedem Fahrzeug istein Notfallrucksack.
Der Notfallrucksackist eben das zentrale Element,
wo alles drinnen ist,was zum Patienten oder zur
Patientin in die Wohnung oderbeim Einsatz mitgenommen wird.
Es gibt ein Beatmungsgerät.
(15:18):
Es gibt natürlichVerbandsmaterialien. Und sehr,
sehr viele Medikamente.
Notfallmedikamentein Form von Ampullen.
Vielleicht der Notfallrucksack,wenn ich zurückkommen kann,
weil wir zuerst gesprochenhaben, was ist der
Unterschied von früher zu heute.
Die Spannbreite gefällt mirimmer sehr gut,
wenn man sich anschaut.
Früher waren es eben nurKutschen, überhaupt
kein Material. Und als ichdas erste Mal mit dem
(15:41):
Rettungswesen in Berührunggekommen bin, das war in den
80er Jahren des vorigenJahrhunderts, da hatten
wir noch in denNotarztfahrzeugen
Metallkoffer. Riesige,schwere Metallkoffer.
Und heute schaut man haltwirklich, dass
man leichte Rucksäcke hat,unterschiedliche Rucksäcke,
die immer noch sehr,sehr schwer sind.
(16:03):
Das muss ich auch sagen.
Also ich bewundere immermeine Kolleginnen und Kollegen
mit Rucksack undwas sie da alles
zum Patienten mitnehmen.
Eben diesen Monitor,Defibrillator und so weiter.
Das hat schon immer noch einentsprechendes Gewicht,
aber bei weitemnicht mehr so wie
damals diese Metallkoffer.
-Wenn Sie jetzt erzählenvon den 80er Jahren,
interessiert es mich jetzt,wie sind Sie zur
Berufsrettung gekommen?
(16:24):
-Das ist eine ganz,ganz lange Geschichte.
Ich habe einenErste-Hilfe-Kurs in der
Unterstufe besucht.
Und dieser Erste-Hilfe-Kurshat mich dermaßen
begeistert und ich war sorettungsbegeistert,
dass ich gleich nach demErste-Hilfe-Kurs,
damals war ich in WienerNeustadt wohnhaft,
(16:47):
ich bin in Wiener Neustadtaufgewachsen, zur
Rotkreuz-Dienststellegegangen bin. Das ist
dort die Rettung gewesen.
Und habe gesagt,ich würde da gerne was machen
und mitarbeiten.
Und die haben mich angeschautund haben gesagt, Bruder,
du bist ja viel zu jung,du musst mindestens 17 sein.
Da habe ich gesagt, naja,es interessiert mich aber so,
vielleicht kann ichso irgendwie helfen.
(17:09):
Dann habe ich begonnenmitzufahren bei der
Altkleidersammlung und habedann gesagt, ich würde mich
aber vielmehr mit Rettungauseinandersetzen,
ob ich zumindest dieRettungsautos putzen darf.
Damals gab es auchnoch keine Waschanlagen,
damals wurden dieAutos mit der Hand geputzt.
Und so begann ich beim RotenKreuz Wiener Neustadt als
Autowäscher und habenatürlich immer hineingeschaut
(17:31):
in die Laden, war neugierig,habe gefragt, für was braucht
man das, für wasbraucht man das.
Und durfte dann irgendwanneinmal mit 16 Jahren,
glaube ich war es,das erste Mal den
Sanitätshelferkurs besuchen.
Und ich kann mich erinnern,meinen ersten Dienst habe ich
an meinem 17. Geburtstaggemacht, weil ab 17 durfte
man damals mitfahrenund das war damals mein
größtes Geburtstagsgeschenk.
(17:52):
Und danach war, ich sage einmal,sehr, sehr viel
Glück und Zufälle,dass ich dann schlussendlich
zu DER Rettungsorganisationgekommen bin, ich
sage wirklich DERRettungsorganisation
in Österreich,weil Wien hat die einzige
Berufsrettung und ich sage,es ist für
jeden Rettungsmitarbeiter,egal ob es ein Notarzt
(18:13):
ist oder ein Sanitäter,das Höchste bei
der Berufsrettungnotfallmedizinisch in der
Präklinik tätig zu sein.
Und das ist, glaube ich,für mich das Größte gewesen,
dass ich dann irgendwannLeiter der Berufsrettung
in Wien geworden bin.
-Sie haben jetzt schon einbisschen von Ihrem
Werdegang erzählt.
Welche Ausbildung durchlaufendenn die Mitarbeiterinnen
(18:35):
sonst? Ärzte, ist mir klar.
-Ja, Ärzte brauchen aber aucheine Zusatzqualifikation.
Also Ärzte, die alsNotärztin oder Notarzt fahren,
brauchen natürlichdie Zulassung als Arzt,
aber brauchen zusätzlich nocheine Ausbildung als Notarzt.
Und dann gibt es auch nochdie Funktion des
leitenden Notarztes.
Das sind bei uns Oberärztinnenund Oberärzte,
(18:58):
die dann auch noch einmal einezusätzliche Ausbildung als
leitende Notärzte haben.
Die Sanitäterinnenund Sanitäter, wir nehmen
ausschließlich Kolleginnenund Kollegen auf,
die bereits eineSanitäterausbildung haben.
Hier reicht dieunterste Ausbildungsstufe,
das ist der Rettungssanitäter.
Das ist die Ausbildung,die man durchläuft,
(19:21):
wenn man Zivildiener istoder wenn man auch beim
Bundesheer tätig istals Sanitäter. Oder sehr,
sehr viele Ehrenamtlichehaben auch diese Ausbildung.
Wir haben eine eigeneRettungsakademie und die
Rettungsakademiebildet dann weiter aus.
Man kommt zu uns mitder Basisausbildung als
Rettungssanitäter und es gibtdann eben die Möglichkeit,
sich weiterzubilden,weiterzuschulen zum
(19:42):
Notfallsanitäterbis hin zum Notfallsanitäter
mit Notfallkompetenz.
Da gibt es die höchsteNotfallkompetenz NKI.
Das ist die NotfallkompetenzIntubation. Das heißt,
die Kolleginnen und Kollegendürfen dann eigenständig
Medikamente verabreichen,die in einer vorgegebenen
Arzneimittelliste sind,aber dürfen sogar auch die
Intubation durchführen.
(20:04):
Die an sich nur früher demNotarzt oder der Notärztin
vorbehalten sind.
Und unser Ziel ist es,so viele wie möglich in diese
Ausbildungsstufe zu bringen.
Und wir haben auchprozentmäßig die höchste
Anzahl in ganz Österreich,die diese Qualifikation haben.
Daher kann man davon ausgehen,wenn ein Rettungsfahrzeug
der Berufsrettung kommt,dass hier höchst kompetente
(20:26):
und bestausgebildeteKolleginnen und Kollegen
auf diesem Fahrzeug sind.
-Und Ausbildung gehtja wahrscheinlich in dem Fall
auch immer weiter.
In der Medizin ist manwahrscheinlich
auch nie fertig mit Lernen.
-Genau. UnsereRettungsakademie bildet nicht
nur aus, sondernbildet auch weiter.
Es gibt gesetzlicheFortbildungsverpflichtungen,
(20:46):
aber es gibt überdiese gesetzlichen
Ausbildungsverpflichtungeneiniges darüber hinaus.
Wir bilden unsere Kolleginnenund Kollegen weit über das
gesetzlich festgesetzteMaße hinaus. Und es gibt auch
bei uns die Möglichkeit,sich beruflich
weiterzuentwickeln.
Das heißt, wenn man irgendwannsagt, man möchte nicht mehr
im operativen Fahrdienst tätigsein, man ist zum
(21:09):
Beispiel jemand,der gerne erklärt
oder gut unterrichten kann,haben wir eine eigene
Ausbildungsschienefür Pädagogen. Das heißt,
wenn man bei uns auf derRettungsakademie
Lehrer werden will,hat man hier die Möglichkeit,
dass man sich internweiterbildet und qualifiziert.
Aber auchfür unsere Führungskräfte.
Wir haben hier unterschiedliche,also eigentlich
(21:30):
genau gesagt zwei Stufen.
Das eine istdie Unteroffiziersstufe.
Das ist die Ebene,wo man Kommandant von einer
Rettungsstation werden kann.
Und das zweite istdie Offiziersstufe,
wo dann eben höherwertigeTätigkeiten sind,
wie Bereichskoordinator oderHauptinspektionsoffizier.
Also auch es gibt eben guteMöglichkeiten,
hier weiterzukommen,eben durch interne Aus-
(21:52):
und Fortbildungen.
-Ist der Zivildienst auchso ein typischer
Einstieg für eure Leute?
-Ja. Also wir haben sehr,sehr viele Kolleginnen
und Kollegen, die bei unsschon Zivildienst gemacht haben.
Kolleginnen nicht,weil es sind in dem Fall nur
Kollegen, die Zivildienstgemacht haben.
Oder eben Kollegen, dieaus dem Militärdienst kommen,
(22:12):
dort eine Ausbildung alsSanitäter absolviert haben.
Die Kollegen des Bundesheeresmachen auch bei uns die
praktische Ausbildung.
Das heißt, hier kommt es auchoft zu einer entsprechenden
Berührung mit der Berufsrettung.
Und wir sagen dann,das wäre auch
eine tolle Sache. Sehr, sehrviele Anwärterinnen und
Anwärter kommenaber aus dem Ehrenamt auch.
(22:37):
Aus Organisationen,aus Wiener Organisationen,
aber auch aus sehr vielenOrganisationen aus
den Bundesländern.
Berufsrettung ist doch etwassehr, sehr Besonderes.
Es ist ein Arbeitsplatz beider Stadt Wien. Das heißt,
ein entsprechendsicherer Arbeitsplatz.
Ich glaube auch,dass wir als Stadt Wien
ein sehr gutesGehaltsschema haben.
Und die Besonderheit beiuns ist eben auch,
(22:57):
wir haben eben ausschließlichNotfallrettung.
Wir betreiben ausschließlichNotfallrettung.
Die Kollegen brauchen keinenKrankentransport fahren.
Und das ist oft Menschen,die in der Notfallmedizin
tätig sein wollen, ein ganz,ganz großes Anliegen,
dass sie sagen,ich mag nicht immer nur
Krankentransport fahren,sondern ich möchte
hauptsächlich Rettung fahren.
(23:18):
Diese Möglichkeit habensie eben ausschließlich
nur bei uns. -Die WienerBerufsrettung hat,
wenn ich es richtig gelesenhabe, 960 Mitarbeiter*innen.
Daumen mal pi.
Sucht ihr gerade Personal?
Und welche Qualifikationsollte man denn da mitnehmen?
Jetzt zusätzlich zu derAusbildung, die man
schon haben sollte.
-Ja, also wie gesagt,wir haben rund 1.000
(23:39):
Mitarbeiterinnen undMitarbeiter von der
Qualifikation, wie gesagt,mindestens Rettungssanitäter.
-Kurze Zwischenfrage,wie viele Rettungsstationen
gibt es in Wien?
-Es gibt in Wien12 Rettungsstationen.
Und wir haben7 Notarztstützpunkte.
Das haben wir seiteinigen Jahren getrennt.
(24:00):
Aus dem einfachen Grund,es ist früher der Notarzt mit
auf derRettungsstation ausgefahren.
Dann gab es einenentsprechenden Notarzt- und
Notärztemangel,wie in ganz Europa.
Und dann ist unsetwas Geniales eingefallen,
nämlich durchMitarbeiter*innen befragen,
wie können wir es besser machen.
Und das Problemwar immer das, dass viele
(24:20):
ärztliche Kollegenauch in der Klinik
tätig sein wollen.
Weil es einfach für siewichtig ist, nicht nur in der
Notfallmedizin tätig zu sein,in der präklinischen
Notfallmedizin, sondern auch dieKlinik zu haben.
Und wir haben seithereine sehr, sehr
gute Kooperation mit demWiener Gesundheitsverbund,
dem Wigev. Und die Ärztinnenund Ärzte sind im Wiener
(24:42):
Gesundheitsverbund, habendort ihre klinische Tätigkeit,
aber sind auch bei unszertifiziert als Notärzte und
fallen immer wiederin diesen Pool.
Das heißt, die habeneben auch entsprechende
Qualifikationen undentsprechende Schulungen und
fahren eben dann bei uns alsNotärztin oder als Notarzt.
Und der Vorteil ist,dass die Notärztinnen und
(25:03):
Notärzte nicht mehr bei unsvon der Rettungsstation
ausfahren, sondern ausdiesen sieben Standorten,
dass wir immer sehr,sehr rasch eine
Rettungseinheit vor Ort haben.
Wenn die Leitstelle sagt,es ist eine lebensbedrohliche
Situation, wo eben auch einNotarzt dazu gefordert wird,
dann fährt auf der einenStelle von den sieben
Stationen dasNotarzt-Einsatzfahrzeug aus.
(25:24):
Das ist die Besatzungeiner Notärztin oder
Notarzt und einerNotfallsanitäterin
oder Notfallsanitäter.
Und gleichzeitig fährt ebenauch ein Rettungsfahrzeug aus.
Und dadurch ist die Chance,dass ein Fahrzeug sehr,
sehr rasch beimPatienten ist, hoch.
-Da möchte ich eh nochspäter drauf zurückkommen,
(25:44):
wieso das so wahnsinnigschnell geht. Wir waren aber
jetzt noch beim Personalthema.
Suchen Sie Leute und ja,was sollte man mitbringen?
-Wir sind ja derabsolut glücklichen Lage,
dass entgegen allen anderenGesundheitsberufen oder auch
vielen anderenEinsatzorganisationen,
dass wir genügendBewerberinnen und
Bewerber haben.
Wir haben auf fünf freieDienstposten in etwa 100
(26:07):
Bewerberinnen und Bewerber.
Das verschafft unsdie Möglichkeit,
dass wir wirklich die Bestender Besten aussuchen können.
Wir haben ein sehr,sehr umfangreiches
Aufnahmeverfahren.
Das Aufnahmeverfahren istein körperliches
Aufnahmeverfahren,weil uns ist wichtig,
(26:27):
dass Menschen,die zu uns kommen,
auch körperlich sehr fit sind.
Ich habe zuerst erzähltvon dem Notfallrucksack
und von dem ganzen Gewicht,was die Kolleginnen und
Kollegen mittragen müssen.
-Wenn man den in den fünftenStock schleppen muss, dann
sollte man doch ganz fit sein.
-Man muss einmal mit demEquipment im fünften Stock
ankommen und dort nichtselber zum Patienten werden.
Und dann geht ja die Reiseauch meistens wieder hinunter
(26:50):
mit Patienten, mit Trage.
Und hier braucht es eineentsprechende
körperliche Fitness.
Körperliche Fitness istaber nicht alles,
sondern vor allemfachliches Können.
Das wird auch bei unsin der Akademie entsprechend
abgeprüft, diesesfachliche Können.
Eine psychologische Eignungwird getestet und
(27:10):
ein medizinischesAuswahlverfahren wird
auch durchgeführt.
-Das heißt, da gehtes dann auch darum,
dass man in Stresssituationenruhig bleibt,
Entscheidungen treffen kann.
-Genau. Und dassdie Kolleginnen und Kollegen,
die wir aufnehmen,auch für die nächsten
Jahre fit bleiben. Das istja auch ganz, ganz wichtig.
-Sie haben ja schon erzählt,es geht oft sehr,
(27:31):
sehr schnell oder meistens sehr,bis ein Rettungswagen oder
ein Notfallwagen eintrifft.
Wie lang ist dasim Schnitt und warum geht das
denn tatsächlichso wahnsinnig schnell?
-In Wien ist es wirklich so,dass wir eine Eintreffzeit
haben beilebensbedrohlichen Notfällen.
Und ich betone immer,bei lebensbedrohlichen
Notfällen, das ist keinSchnitt in den Fingern.
(27:51):
Das würde nachhinten priorisiert werden.
Bei lebensbedrohlichenNotfällen acht bis
zwölf Minuten.
Und wir sind jetzt,bei Reanimationen schaffen
wir es oft schon in untersieben Minuten.
Und warum geht das so schnell?
So wie ich es Ihnenzuerst gesagt habe,
schon während des Notrufeswird das Fahrzeug entsandt.
(28:11):
Es wird aufgrund der GPS-Ortungweiß man,
wo ist das nächste Fahrzeug.
Und das gleichzeitige Fahrzeug,vom Notfalleinsatzstützpunkt
weg fahrt, genauso von derRettungsstation, ist es oft
ein sternförmiges Zufahren.
Und das erleichtertuns einfach, die Anfahrtszeit
(28:33):
entsprechend nachunten zu drücken.
-Und dann geht es schnell.
Erzählen Sie uns ein bisschenwas aus der Praxis.
Sie sind jetzt seit einigenJahrzehnten bei
der Wiener Berufsrettung.
Welche großen Einsätze sindIhnen denn da besonders
in Erinnerung geblieben?
So spektakuläre Dinge,wo man sagt, da denke ich
zurück, weil es aufregend war.
-Nach einigen Jahrzehntenist es übertrieben.
(28:55):
Ich bin als Leiter derBerufsrettung 2010 gekommen.
-Es ist ja von den80er Jahren erzählt worden.
-Es waren damals dieAnfänge der Ehrenamtlichkeit.
Aber zur Berufsrettung undzur Stadt Wien bin
ich 2010 gekommen.
Aber es reicht auch aus,um genügend interessante
Einsätze gesehen zu habenoder miterlebt zu haben.
(29:20):
Interessant istimmer sehr relativ,
ich sage eher herausfordernd.
Sehr, sehr herausfordernd.
Und darum nehme ich das raus.
Ich nehme jetztan keine speziellen Einsätze,
die medizinischherausfordernd waren,
weil das ist jeden Tag fürdie Kollegen und Kolleginnen
eine entsprechendeHerausforderung. Aber sehr,
(29:40):
sehr herausfordernd füruns und auch eine ganz neue
Aufgabe war die Flüchtlingskrise2015 zum Beispiel. Weil, ich
weiß die Stadt hat erkannt,dass wir eine sehr,
sehr gute Qualifizierung habenvon unseren Offizieren.
Wir haben damals in derOffiziersausbildung
sehr stark aufdie Stabsarbeit gesetzt.
(30:02):
Das heißt systematischesAbarbeiten in entsprechenden
großen Lagen. Und wir wareneben eine der städtischen
Dienststellen oder diestädtische Dienststelle,
die das gehabt hat.
Und wir wurden dannbeauftragt, die
Flüchtlingskrise mitStabsarbeit zu betreuen.
Das heißt, das hatmit Rettungswesen fast
gar nichts zu tun gehabt.
(30:22):
Aber es war beiuns die Drehscheibe.
Wir haben gewusst, wann kommenZüge mit Schutzsuchenden an?
Wie kann man sieam besten verteilen?
Wie kann man schauen,dass die Leute,
wenn sie ankommen,entsprechend gut
versorgt werden?
Nicht nur medizinisch gutversorgt werden,
sondern eben auch sozial gutversorgt werden.
Wer kümmert sich darum?
(30:44):
Wie steuert man das Ganze?
Und es war dann bei uns damalsin unserem Einsatzstab hat
sich dann eher dargestelltwie bei der ÖBB
eine Fahrdienstleiterstelle,wo wir immer gewusst haben,
da kommen Züge, da kommen Busse,da kommen Personen zu Fuß
oder es bringen Personen,Leute in Und es war wichtig,
(31:06):
dass man das entsprechendauch gut organisiert
und bündelt. Weil es wäredamals fatal gewesen,
wenn die Leute mittenin der Stadt irgendwo
gestanden wären,hätten nicht gewusst,
wo sie hinkommen.
So haben wir uns um daskümmern können und
haben natürlich mit vielen,vielen Organisationen
zusammenarbeiten können.
Das hat sich damals auchsehr, sehr gut eingespielt,
diese Zusammenarbeit,nicht nur mit den privaten
(31:29):
Rettungs-und Hilfsorganisationen,
sondern eben auchmit der Berufsfeuerwehr,
mit dem Bundesheer,mit der Polizei.
Natürlich der FondsSoziales Wien war hier sehr,
sehr stark involviertund da ist die Stadt schon
auch sehr, sehrstark zusammengewachsen.
Und wir haben doch einbisschen das Gefühl gehabt,
dass wir da dasSteuerungszentrum sind,
eben aufgrundunserer Möglichkeit,
(31:52):
dass wir Stabsarbeit in unserenStabsräumen betreiben.
Das geht gleich weiter.
Wo das noch einmalentsprechend eingesetzt
worden ist, war Corona.
Die Pandemie, ich habees zuerst schon erzählt,
das hat uns die140-Jahr-Feier gekostet.
(32:13):
Wir hätten eben auch,keine Zeit zu feiern gehabt,
auch wenn es möglichgewesen wäre, weil auch hier
war unser Stab hochgefahren.
Es ging da nichtum Rettungsdienst, sondern
es ging einfach um Steuerung.
Steuerung in Formvon Stabsarbeit,
in Kooperation mitanderen Einheiten.
Hier natürlich derGesundheitsdienst der
Stadt Wien ganz, ganz wichtig.
(32:34):
Aber natürlich auch dieanderen Hilfsorganisationen,
FSW, wo baut man was auf,wo bringt man Patienten hin.
Am Anfang hat manüberhaupt noch nicht gewusst,
wie man damit umgehen kann.
Und wir waren von Anfangan eingebunden.
Und seither haben wir uns dieBezeichnung von
Herrn Magistratsdirektor,Stellvertreter Mag.
(32:55):
Müller, haben wir hier einebesondere Auszeichnung bekommen.
Er sagt immer, wir sind derLeatherman der Stadt Wien.
Leatherman deshalb,weil der Leatherman,
wenn man das nicht sagt,das ist eben so ein
Universalmesser,ein Universalgerät,
was man für viele,viele Dinge einsetzen kann,
wo viele Werkzeuge drauf sind.
Und er sagt immer wieder,die Berufsrettung Wien ist
(33:16):
eine Organisation,die kann man einsetzen wie
einen Leatherman.
Die haben ihre Hauptfunktion,aber wenn man es braucht,
hat sie auch hunderte andereNebenwerkzeuge und auf
die kann man immer sehr,sehr gut zurückgreifen.
Und auf das bin ich eigentlichsehr stolz, auf
diese Bezeichnung.
Ja, natürlich, wenn manes dann einen spektakulären
(33:37):
Einsatz hernimmt,der uns alle betroffen hat,
war natürlich derTerroranschlag in Wien
am 2. November,das war schrecklich.
Dahingehend schrecklich,weil natürlich entsprechende
tote Menschen zu beklagenwaren, Verletzte
(33:58):
zu beklagen waren.
Aber es war vom Einsatzher auch sehr schwierig,
weil man am Anfang nichtgewusst hat, was
passiert hier gerade.
Es kamen permanent Notrufebei der Polizei, bei uns,
wo gemeldet wurden, es fallenin ganz Wien Schüsse und
die ganze Stadt war in Aufruhr.
-Und man bringt auch seineeigenen Leute in Gefahr
(34:19):
möglicherweise,wenn man sie hinschickt.
-Das ist natürlich auchimmer eine Sache, was macht
man in so einer Situation.
So eine Situationist grundsätzlich
ja immer trainiert.
Wir schulen ja unsere Leuteauf solche Situationen
und wir haben auch sehr oftÜbungen mit der Polizei,
auch teilweise mit der Cobra.
Wie geht man um,wenn es Gefahrenzonen gibt?
(34:40):
Nur das Problem war das,es gab keine definierte
Gefahrenzone.
Die Gefahrenzone wardamals ganz Wien.
Weil es wurde eben überallgemeldet, es laufen
Leute mit Gewehre herum,also es war einfach Panik.
Es war ja zum Glück innerhalbvon wenigen Minuten vorbei.
Aber die Leute haben dasin den Nachrichten
gehört und jeder damals,der einen Regenschirm gehabt
hat oder irgendetwas unter derJacke, hat man angenommen,
(35:01):
das ist entsprechendein Täter. Die Notrufe gingen
entsprechend heiß undes war eben wichtig,
auch unsere Kolleginnenund Kollegen zu schützen.
Und es hat am Schwedenplatzdamals die Situation gegeben,
wo ich dann ebenselber auch vor Ort war,
wo es schon einbisschen beängstigend war,
(35:22):
wo man sagt, okay,da oben könnte noch
ein Täter sein.
Die Polizei ist mit schwererBewaffnung gegangen.
Dazwischen gab es eben Toteund Verletzte.
Das war schon eine Sache,die mir negativ sehr,
sehr stark in Erinnerunggeblieben ist. Wo wir aber
auch aus dieser Zeit,aus wieder sehr, sehr viel
lernen und mitnehmen konnten.
(35:42):
-Kommen wir nochmalzurück zum Rettungsdienst,
zum Thema Rettung, wasauch jeder Einzelne tun kann.
Erste Hilfe.
Was würden Sie denn raten,wie viel sollte man denn
da wissen und wie oft sollteman seinen Kurs auffrischen,
den man ja vielleicht beimFührerschein das letzte
Mal gemacht hat?
(36:02):
-Erste Hilfe ist etwas,was man ständig
auffrischen sollte. Ich kannda keine Empfehlung geben,
dass ich sage, halbjährlich,jährlich, fünfjährlich.
-Aber beim Führerscheineinmal ist zu wenig.
-Umso öfter iches trainiere, umso besser.
Das ist wie bei allen.
Darum betone ichauch immer wieder,
in Wien haben wir eben eineBerufsrettung und die
Berufsrettung hat nichtnur eine hohe Qualifikation
(36:26):
in der Ausbildung, sondernwas macht eine Berufsrettung
auch aus? Die Routine.
Auch die Sanitäterinnen undSanitäter sind fast täglich
bei der Arbeit beim Patientenoder bei der Patientin.
Und das bringtnatürlich Routine.
Und wenn ich Routine habe,fallen mir Dinge
weitaus leichter,als wenn ich etwas nur jedes
Monat mache oderalle zwei Monate mache.
(36:46):
Dann muss ich bei jedemHandgriff wahrscheinlich
weitaus mehr nachdenken,als wenn ich etwas
täglich mache.
Und genauso istes bei der Ersten Hilfe.
Es ist natürlich,bei Erster Hilfe ist es nicht
zuzumuten, dass man sagt,du machst jetzt alle zwei
Monate einen Erste-Hilfe-Kurs.
Aber ein Erste-Hilfe-Kursbeim Führerschein,
da muss ich auch dazu sagen,das ist ein sehr,
(37:07):
sehr kurzer Erste-Hilfe-Kurs,der im Straßenverkehrsrecht
entsprechend vorgesehen ist.
Aber für mich beginnt einechter Erste-Hilfe-Kurs,
wo ich sage, da kann man dannschon etwas machen
bei 16 Stunden.
16-stündige Erste-Hilfe-Kursesind sehr gut, werden von allen
Organisationen in Wienangeboten und natürlich
eine Auffrischung zwischenzwei und fünf Jahren
(37:31):
ist sicherlich zu empfehlen.
-Das ist ein klarerTipp, sehr gut. Was kann denn
jeder von uns in einemmedizinischen Notfall
jedenfalls tun?
Auch wenn ich jetzt sage,mein letzter Erste-Hilfe-Kurs
ist vielleicht schonmehr als zwei Jahre her.
-Das hängt natürlichvon der Persönlichkeit ab.
Manche Menschen haben zwareinen Erste-Hilfe-Kurs und
(37:52):
haben im Erste-Hilfe-Kursaufgepasst und haben sich
alles gemerkt.
Das Problem ist,sie können dann mit der
Situation vor Ort nicht umgehen.
Es ist zum Beispiel Blut,Erbrochenes und sie sagen,
das kann ich nicht sehen.
Ja, was mache ich dann?
Das Wichtigste ist,Hilfe zu organisieren.
Jemand anderen zu organisieren,der dort Erste-Hilfe leisten
kann und natürlichsofort den Notruf wählen.
Und wenn eine Reanimationist und ich kann dort nicht
(38:15):
selber mitwirken,dann rufe ich den Notruf,
schaue, dass icheinen Defibrillator auftreibe,
was auch immer.
Also man kann ja im Endeffektbei der Ersten-Hilfe
fast nichts falsch machen.
Das Einzige, wasman falsch machen kann,
ist nicht anzurufen,zu zögern, zu sagen, na ja,
ist es wirklich ein Notfall,oder nicht und abzuwarten.
Nein, wenn ich das Gefühlhabe, es ist etwas passiert,
(38:40):
rufe ich den Notruf.
Und wie ich schongesagt habe, es wird
entsprechend dannweitergeholfen, auch telefonisch
weitergeholfen. Also man kannin der Ersten-Hilfe
in Wirklichkeit nichts falschmachen, außer nichts zu machen.
-Das heißt, keine Angsthaben, davor einzugreifen,
wie auch immer undim Rahmen der Möglichkeiten,
die man besuchen möchte.
-Genau, und wie bei allem,was ich gelernt habe,
in einer Notfallsituationspult sich manches
(39:03):
Wissen wieder ab,auch wenn ich das
Gefühl habe, um Gottes Willen,mein Erste-Hilfe-Kurs ist
dann schon viel zu lange her,da hätte ich doch
eine Auffrischung gemachtund ich stehe jetzt dort,
bitte trotzdem etwas tun.
Irgendwo im Hinterkopf ist schondas Richtige abgespeichert.
-Fein, ich danke Ihnen sehrfür die Infos und für die
Tipps jetzt noch zum Schlussund alles Gute zum Jubiläum.
(39:26):
-Ich danke schön, danke.
-Danke schön.
-Zu Gast bei ChristineOberdorfer war Rainer Gottwald.